Das Telefon klingelt und ein Mitarbeiter eines Verlags möchte Ihnen ein Probeabo einer Zeitung aufschwatzen. Sie waren gerade mit etwas völlig anderem beschäftigt, beispielsweise mit dem Schreiben eines Blogbeitrags. Der Anruf unterbricht Sie also in Ihrer Tätigkeit und im schlimmsten Fall nervt er sogar – ein Beispiel für Outbound Marketing. Beim Inbound Marketing greifen Sie hingegen selbst zum Hörer!

Im Folgenden möchte ich die Unterschiede zwischen Inbound und Outbound Marketing genauer beleuchten und die Potenziale beider Herangehensweisen aufzeigen. Sie erfahren in diesem Artikel Wissenswertes über die Entwicklung der verschiedenen Marketingstrategien und kennen anschließend die Stärken und Schwächen der einzelnen Methoden. Dadurch wird es Ihnen leichter fallen, zu beurteilen, welches Vorgehen für Ihr Vorhaben besser geeignet ist.

Inbound und Outbound: Zur Unterscheidung der Begriffe

a) Outbound Marketing gehört zum traditionellen Marketing. Es handelt sich dabei um eine „alte“ Marketingform, die beispielsweise die folgenden bekannten Strategien und Formate nutzt: Printwerbung, d.h. klassische Werbeanzeigen, TV-Spots, großflächige Plakate und Bannerwerbung, Telefonmarketing, Newsletter-Versand, Kaltakquise, Messen uvm.

b) Inbound Marketing ist eine moderne Marketingmethode, die es jedoch schon lange gibt. Ihr Siegeszug begann aber erst durch das Internet. Typisch für Inbound Marketing ist die Verwendung oder Anwendung von Folgendem: E-Books, Blogging, Gratis-Ratgeber oder sonstiges kostenloses Zusatzmaterial, Studien, Infografiken, Erklärvideos, Landingpages, Gratis-Tools, Social-Media-Marketing, Podcasts, Suchmaschinenoptimierung (SEO) etc.

Inbound und Outbound Marketing unterscheiden sich in ihren Grundsätzen. Während Outbound Marketing darauf abzielt, dass das Unternehmen neue Kunden findet, ist es beim Inbound Marketing genau umgekehrt: Der Kunde soll das Unternehmen finden. Damit Sie für den Kunden jedoch nicht zu der berühmten Nadel im Heuhaufen werden, sondern als interessantes Unternehmen leicht auffindbar sind, müssen Sie entsprechenden Content bereitstellen.

Content Marketing und Inbound Marketing

Vereinfacht gesagt ist Content Marketing Bestandteil von Inbound Marketing, d.h. bei Inbound Marketing handelt es sich um einen Oberbegriff. Oder anders ausgedrückt: Ohne Content Marketing kein Inbound Marketing. Beides gehört letztlich zusammen!

Dabei ist es vor allem der richtige Content, d.h. Inhalt, der den Kunden beispielsweise dazu bringt, Ihre Website zu besuchen.

Sie betreiben neben Ihrem Shop noch einen spannenden Unternehmensblog, der hilfreichen Content für den Kunden enthält? Sehr gut! Oder Sie bieten passend zu Ihrem Themengebiet kostenlose Mini-Ratgeber zum Download an, die für den Kunden einen echten Mehrwert bieten? Super, dann haben Sie ein wichtiges Prinzip von Inbound Marketing verstanden.

Denn guter Content ist das A und O des modernen Marketings. Damit er potenzielle Kunden anlockt, sollte er informativ, hilfreich, interessant, relevant und hochwertig sein bzw. genau das bieten, was der Kunde eben sucht.

3 wichtige Bestandteile von Inbound Marketing

Daneben gibt es drei weitere wichtige Punkte, auf die es beim Inbound Marketing unbedingt ankommt:

  1. Suchmaschinenoptimierung (SEO): Sie erreichen damit ein besseres Google Ranking, d.h. der von Ihnen angebotene Content wird leichter von potenziellen Kunden gefunden.
  2. Social-Media-Marketing: Durch die Nutzung von Social Media wird die Reichweite Ihres Contents verstärkt. Wenn Sie interessanten Content posten, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er durch Likes oder Kommentare weiter verbreitet oder geteilt wird. Die extremste Form ist dabei, wenn ein Beitrag sich durch soziale Netzwerke viral verbreitet, d.h. innerhalb kurzer Zeit unzählige Klicks, Likes und Kommentare erhält.
  3. Leadgenerierung: Durch die Gewinnung von Interessenten bzw. deren Kontaktdaten können Sie sich eine Interessentendatenbank aufbauen. Auf diese Weise ist es möglich, zum Beispiel mithilfe von E-Mail-Marketing in einen Dialog mit dem Interessenten zu treten, sein Vertrauen zu gewinnen und schließlich im Idealfall einen neuen Kunden an Land zu ziehen.

Inbound Marketing auf der Überholspur

Inbound Marketing ist in der Regel deutlich kostengünstiger als Outbound Marketing, denn es entstehen keine teuren Werbekosten, wie sie beispielsweise in reichweitenstarken Printmedien und Rundfunk üblich sind. Das Ziel von Inbound Marketing ist immer: eine positive Auswirkung auf die bereits erwähnte Leadgenerierung eines Unternehmens zu haben, denn potenzielle Kunden werden mittels Content Marketing angesprochen, d.h. über Blogs, Social-Media-Kanäle oder E-Books. Der Interessent wird somit direkt da abgeholt, wo er gerade sucht – und findet geeigneten Content beispielsweise im Unternehmensblog. Das Unternehmen geht somit auf die Bedürfnisse des Kunden ein – und offeriert eine Lösung für sein Problem.

Für den Erfolg eines Unternehmens ist es wichtig, sich mit Inbound Marketing vertraut zu machen. Prüfen Sie daher, welche Möglichkeiten Sie nutzen möchten – und denken Sie je nach Unternehmensgröße einmal darüber nach, ob Sie nicht für solche Zwecke vielleicht extra einen Inbound-Marketing-Manager einstellen möchten.

 

Die Vorteile des Inbound Marketings

Es liegt auf der Hand, dass hilfreicher Content für den Kunden einen höheren Mehrwert liefert als beispielsweise ein Werbebanner, das seine Aufmerksamkeit unter Umständen gar nicht weckt oder ihm im schlimmsten Fall sogar auf die Nerven geht. Zudem ist Content im Allgemeinen lange les-, nutz-, bzw. abrufbar, denn er ist in der Regel dauerhaft im Internet zu finden und kann potenzielle Kunden somit immer wieder aufs Neue erreichen. Letzteres ist bei einer Printanzeige, wie sie ihm Outbound Marketing genutzt wird, nicht möglich. Natürlich dauert es manchmal eine Weile, bis jemand auf den entsprechenden Content aufmerksam wird, d.h. es braucht eine gewisse Anlaufzeit. Der große Vorteil ist aber, dass Inbound Marketing um ein Vielfaches nachhaltiger ist und seine Wirkung langfristig zeigt. Geduld zahlt sich also aus!

Einige weitere Vorteile von Inbound Marketing:

  • Inbound Marketing ist auch für kleinere Unternehmen, die meist geringere Marketingbudgets haben, interessant, z.B. für Start-ups. Auch jemand mit wenig Budget kann prinzipiell genauso viele Leads generieren und Traffic erzeugen wie ein finanzstarkes Unternehmen mit einer großen Marketingabteilung.
  • Der ROI (Return on Invest) ist bei Inbound Marketing viel höher als bei herkömmlichen Marketingmethoden, sodass langfristig mit steigenden Umsätzen gerechnet werden kann.
  • Inbound Marketing Aktivitäten wirken im Gegensatz zu vielen Outbound Maßnahmen vertrauensfördernd. Besonders durch Content Marketing lassen sich Menschen noch stärker an eine Marke bzw. ein Unternehmen binden. Im Idealfall entsteht so eine Beziehung. Sie können durch Inbound Marketing somit leichter in einen Dialog mit dem Kunden treten, lernen ihn kennen und erfahren auf diese Weise, was die Zielgruppe braucht oder welche Wünsche sie hat.

Was kann Outbound Marketing?

Gibt es im Zeitalter des Internets dann überhaupt noch Bereiche, in denen es sinnvoll erscheint, Outbound Marketing zu verwenden? Das hängt vermutlich vom genutzten Kanal ab: Bestimmt erinnern Sie sich an den TV-Werbespot von EDEKA, der unter dem Hashtag #Heimkommen 2015 kurz vor Weihnachten viele Zuschauer zu Tränen rührte. Durchaus polarisierend hat dieser Werbespot eines geschafft: Er bleibt einem im Gedächtnis, und man erinnert sich möglicherweise noch Jahre später daran. Der Grund: Er gehört zu den sogenannten emotionalen Werbespots und führt letzten Endes dazu, dass wir Positives mit der Marke verbinden.

Emotionen beim potenziellen Kunden zu wecken ist sicherlich nach wie vor eine gute Strategie, um auf sich aufmerksam zu machen und den Bekanntheitsgrad seiner Marke zu steigern. Das ist grundsätzlich natürlich auch durch eine Printanzeige oder durch Bannerwerbung möglich, wenn sie intelligent gemacht ist und Text und Bild den Leser berühren. Fest steht: Emotionale Werbung bleibt im Gedächtnis, und das ist die große Stärke, die Outbound Marketing nach wie vor besitzt.

Doch das ist die große Ausnahme: In der Mehrheit der Fälle dürfte der Empfänger sich eher gestört fühlen durch nervige TV-Spots, die zudem oftmals völlig an seinen Bedürfnissen und Wünschen vorbeigehen. Außerdem unterbricht ihn solche Art Werbung in seinem Tun, was zu noch mehr Unmut führt. Outbound ist meistens laut, es schreit: „Kauf mich, hier bin ich!“ Und wer braucht schon lautes Geschrei?

And the winner is …

… Inbound Marketing. Sie haben beim Lesen wahrscheinlich unschwer erkennen können, wo die Reise hingeht. Wir befinden uns im 21. Jahrhundert und webbasierte Marketingstrategien sind schon lange nicht mehr nur auf dem Vormarsch, sondern haben herkömmliche Methoden inzwischen zum Teil verdrängt.

Der Hauptgrund: Inbound Marketing ist meist effektiver und verschlingt deutlich weniger Geld und Ressourcen als das konventionelle Outbound Marketing. Sein Erfolg ist zudem sogar messbar, denn mithilfe zahlreicher Tools kann inzwischen eindeutig ermittelt werden, ob diese oder jene Betreffzeile mehr Leser zum Öffnen der Mail motiviert hat oder ob Blogbeiträge wirklich gelesen wurden bzw. welche häufiger als andere.

Für den Kunden zahlt es sich aus, geduldig zu sein, denn Maßnahmen wie SEO, die Einrichtung eines Unternehmensblogs, der Aufbau einer Landingpage oder auch Social Media Posts auf Facebook und Twitter sind ganz klar auf dem Vormarsch und versprechen nachhaltigen Erfolg.

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