Wer sich regelmäßig mit dem Thema Content Marketing beschäftigt, weiß um die Effektivität dieser Strategie und das große Potenzial, das sie birgt. Doch in den seltensten Fällen kann man mit seinen Content-Ideen sofort durchstarten. Zuerst gilt es, Chef und Vorgesetzte vom Nutzen des Content Marketings zu überzeugen. Denn auch bei Content Marketing geht es nicht ohne Budget und Ressourcen. Wie Sie die Chefetage von Content Marketing überzeugen können, lesen Sie in unserem Blogbeitrag.

Die Meinung alleine überzeugt nicht – liefern Sie Fakten

So überzeugt Sie selbst bereits von Content Marketing sind: Ihre eigene Meinung alleine reicht nicht, um in der Führungsetage etwas zu bewegen. Vor allem in konservativen Unternehmensstrukturen werden Sie vermutlich auf Vorbehalte gegenüber dieser neuen Strategie stoßen. Nur, wenn Sie Ihren Vorgesetzten die folgenden relevanten Fragen fundiert beantworten und Ihre Argumente plausibel begründen können, werden Sie ihn von der Sinnhaftigkeit von Content Marketing überzeugen:

  • Warum ist Content Marketing für unser Unternehmen wichtig und sinnvoll?
  • Mit welchen Kosten ist Content Marketing verbunden?
  • Wie kann Content Marketing umgesetzt werden?
  • Welche Unternehmensziele werden mit Content Marketing erreicht?

Setzen Sie sich im Rahmen Ihrer Gesprächsvorbereitung mit diesen Fragen unbedingt intensiv auseinander, nur dann überzeugen Sie im späteren Gespräch.

Gute Vorbereitung ist das A und O

Der Gesprächstermin mit Ihnen ist sicherlich nicht der einzige Termin, den Ihr Vorgesetzter an diesem Tag hat. Das bedeutet, dass das Gespräch auch sehr kurz ausfallen kann. Um in dieser Zeit einen möglichst großen Fortschritt zu erreichen, müssen Sie sich in jedem Fall optimal vorbereiten. Erledigen Sie daher vor dem Termin unbedingt die folgenden Aufgaben:

1) Identifizieren Sie Optimierungspotentiale in anderen Abteilungen

Von Content Marketing profitiert nicht nur Ihre Marketingabteilung, sondern das komplette Unternehmen. In jedem einzelnen Bereich kann Content Marketing unterstützen. Sprechen Sie daher mit Entscheidungsträgern anderer Abteilungen. Finden Sie heraus, wo es hakt und überlegen Sie bei jedem Punkt, wie Content Marketing hier von Nutzen sein kann.

  • Verbringt der Kundensupport womöglich übermäßig viel Zeit und viele Ressourcen mit der Beantwortung wiederkehrender Standardanfragen? Weiterführende Informationen und FAQs sowie nützliche (Video-)Anleitungen auf Ihrer Webseite können hier Abhilfe schaffen. Die für Content Marketing produzierten Inhalte können außerdem unternehmensintern weiter genutzt werden, z. B. für Schulungen und als Leitfäden.
  • Steigen die Online-Werbekosten wegen hoher Gebühren für externe Marketingplattformen? Mit Content Marketing investieren Sie vor allem in die eigene Internetpräsenz; Sie werden auf lange Sicht unabhängiger von bezahlten Online-Werbediensten (Google Ads, Facebook Ads etc.), was dauerhaft Kosten spart
  • Wird es für den Vertrieb immer schwieriger, neue Leads zu generieren und per Kaltakquise neue Kunden zu gewinnen? Content Marketing baut bei potenziellen Kunden Vertrauen zu Ihrem Unternehmen auf. Im Optimalfall wenden sich Kunden von alleine an Ihren Vertrieb. Der Vertrieb weiß bereits vor der Akquise über die Bedürfnisse des Kunden Bescheid. So kann er ihm schon früh punktgenaue und individuelle Lösungen anbieten. Dies beschleunigt den Verkaufsprozess, verringert den Akquiseaufwand und senkt die Akquisekosten.

Dies sind nur einige Beispiele. In Ihrem Unternehmen gibt es sicherlich noch zahlreiche weitere Prozesse, die sich durch Content Marketing optimieren lassen. Überlegen Sie, welche Content Marketing Maßnahmen für Ihre Unternehmensstrategie sinnvoll sind und legen Sie anhand dessen die Prioritäten fest.

2) Checken Sie den Status Quo Ihres Unternehmens im Vergleich zu Wettbewerbern

Auch Ihre Vorgesetzten möchten am Ball bleiben und wissen, wie Ihr Unternehmen im Vergleich zu den Wettbewerbern dasteht. Präsentieren Sie ihnen den Status Quo Ihres Unternehmens und vergleichen Sie diesen mit dem Ihrer Wettbewerber.

  • Vergleichen Sie Präsenz und Erreichbarkeit Ihrer Unternehmensseite im Internet. Wie viele Zugriffe gibt es auf Ihre Webseite? Wie viele (bezahlte) Zugriffe kommen über Online-Werbedienste via Pay-per-Click? Marketing-Plattformen? Welche Seiten werden besonders oft aufgerufen? Inhaltlich relevante Seiten, die potenzielle Kunden besonders interessieren, können durch die Einbindung von CTAs effizient zur Leadgenerierung genutzt werden.
  • Prüfen Sie die Position Ihres Unternehmens in den Google-Suchergebnissen bei relevanten Keywords: Wo wird es hier im Vergleich zu Wettbewerbern gelistet? Wer ist Themenführer?
  • Checken Sie die Content Marketing Aktivitäten Ihrer Wettbewerber: Wie nutzen diese Content Marketing? Gibt es erfolgreiche Aktivitäten oder Aktionen? Wurden diese auch im eigenen Unternehmen wahrgenommen? Gibt es hierzu vielleicht sogar Rückmeldungen Ihrer Kunden? Diese Fragen können Ihnen bestimmt Ihre Kollegen aus dem Vertrieb beantworten.
  • Für Ihre Vorgesetzten ist es in jedem Fall interessant, von relevanten Case Studies zu erfahren – bestenfalls sogar aus Ihrer Branche. Welche Erfolgsgeschichten gibt es hier bei anderen Unternehmen? Wie kann man diese Erfahrungen für das eigene Unternehmen erfolgreich anwenden?
  • Recherchieren Sie aber auch intern: Vielleicht sind bereits erste Erfahrungen mit Content Marketing vorhanden? Wenn ja, welche Erfolge hat man hier bereits verbuchen können?

3) Skizzieren Sie eine potenzielle Content Marketing Strategie

Sicher haben Sie schon eine Menge Ideen im Kopf, wie Sie Content Marketing für Ihr Unternehmen einsetzen können. Aber haben Sie auch schon wichtige Eckpunkte einer praktikablen Strategie definiert? Wenn Sie Ihrem Chef einen greifbaren Umsetzungsplan an die Hand geben, können Sie ihm das Potenzial von Content Marketing noch anschaulicher vermitteln.

Präsentieren Sie Ihrem Vorgesetzten einen kurzen Abriss darüber, wie eine sinnvolle Strategie für Ihr Unternehmen aussehen kann. Setzen Sie hierbei Schwerpunkte; erläutern Sie, welche Bereiche eingebunden oder welche aktuellen Kampagnen optimiert werden können.

Gehen Sie hierbei nicht zu sehr in die Tiefe. Skizzieren Sie, welche Eckpunkte eine Strategie enthalten könnte, am besten anhand greifbarer Beispiele. Inspiration dazu sowie eine hilfreiche Anleitung, wie Sie eine individuelle Content Marketing Strategie für Ihr Unternehmen entwickeln, erhalten Sie in unserem Onlinekurs „Content Marketing Strategie“.

4) Informieren Sie sich über Kennzahlen und Kostenfaktoren

Immer, wenn es um die Genehmigung von Budget und Ressourcen geht, muss über die zu erwartenden Kosten aufgeklärt werden. Ihre Vorgesetzten werden in Content Marketing erst einmal einen weiteren Kostenfaktor sehen.

Sie wissen es aber besser: Content Marketing wird langfristig zu einer Kostenersparnis führen. Um dies aufzuzeigen, müssen Sie sich im Vorfeld über die aktuellen Kosten in Ihrem Unternehmen informieren, z. B. zur Neukundenakquise, das Online-Budget für externe Marketing-Plattformen, die Kosten für „klassische“ Werbung zur Leadgenerierung, (Druck-)Kosten für Werbematerialien und Unternehmensbroschüren, Aufwände für Service und Bestandskundenbetreuung etc.

Gleichzeitig erkundigen Sie sich, wie viel es kosten würde, in eine Content Marketing Strategie zu investieren und mit welchen regelmäßigen Aufwendungen zu rechnen ist. Zu den einmaligen Kostenfaktoren zählen z. B. die Erstellung eines Blogs oder das Anlegen von Marketing-Funnels.

Einmal mit Content Marketing gestartet, entstehen regelmäßige Kosten, z. B. für die Erstellung von Content oder für die Produktion von Videos oder Podcasts. Außerdem müssen die Marketing-Funnels regelmäßig geprüft und ggf. weiter optimiert werden.

Zeigen Sie nun das Einsparungspotenzial gemäß Ihrer Content Marketing Strategie auf: Welche Einsparungen sind beispielsweise aufgrund eines verringerten Akquiseaufwandes hinsichtlich der Vertriebskosten möglich? Wie viele Leads könnten direkt über die Webseite generiert werden, ohne den Umweg über bezahlte Werbedienste? Stellen Sie weitere Beispiele zusammen. Ihr Ziel ist es, im Gespräch eine sinnvolle und nachvollziehbare Kostenaufstellung zur Hand zu haben, mit der Sie Ihre Argumente für Content Marketing zahlen- und kostenbasiert belegen können.

Zahlen, Beispiele, Erfolge: So überzeugen Sie während des Gesprächs

Nachdem Sie sich so umfassend vorbereitet haben, können Sie nun voller Überzeugungskraft in das Gespräch mit Ihrem Chef einsteigen. Hier haben wir noch einige Tipps, wie Sie auch kommunikativ überzeugen:

  • Sprechen Sie die gleiche Sprache wie Ihr Chef: Verzichten Sie auf „Marketing-Speech“ und Fachchinesisch, verlieren Sie sich nicht im Detail und verspielen Sie das Interesse nicht mit technischen Erläuterungen ohne wirkliche Relevanz.
  • Vermeiden Sie harsche Kritik an bestehenden Unternehmens- oder Kommunikationsstrukturen. Seien Sie stets sachlich und lösungsorientiert und zeigen Sie auf, wo Content Marketing die etablierten Prozesse optimieren kann.
  • Beziehen Sie sich immer auf die Unternehmensstrategie und zeigen Sie konkret und nachvollziehbar auf, wie Content Marketing bei der Erreichung der Unternehmensziele unterstützen kann.
  • Argumentieren Sie mit belegbaren Zahlen und aktuellen Beispielen, ggf. auch mit Erfolgen Ihrer Wettbewerber.

Denken Sie daran: Nur, wenn Sie selbst durch Ihre umfassende Vorbereitung eine konkrete Vorstellung Ihrer Strategie haben, können Sie bei Ihren Vorgesetzten ebenfalls eine Vorstellung dafür schaffen. Erläutern Sie die verschiedenen Schritte, definieren Sie realistische Zeiträume und informieren Sie über die zu erwartenden Kosten.

Erwarten Sie als Outcome des Gesprächs nicht die uneingeschränkte Freigabe für ein unternehmensweites Content-Marketing-Programm. Liefern Sie stattdessen praktikable Vorschläge für die ersten Schritte, ggf. begleitend und ergänzend zu aktuellen Maßnahmen. Ihrem Chef sollte es möglichst leichtfallen, für diese Schritte seine Zusage zu geben.

Sensibilisieren Sie Ihre Vorgesetzten aber auch dafür, dass Erfolge im Content Marketing Zeit brauchen. Gerade bei dieser Strategie sind die positiven Effekte erst nach mehreren Monaten spürbar. Reputation im Netz wird – ebenso wie das Vertrauen potenzieller Kunden – nur langsam aufgebaut. Dies müssen Sie Ihren Vorgesetzten unbedingt kommunizieren, damit Ihre Erfolge nicht bereits nach kurzer Zeit wieder eingestampft werden.

Wichtig: Bleiben Sie am Ball – und nehmen Sie andere mit ins Boot

Sie haben nun den ersten Schritt getan und Ihre Vorgesetzten für das Thema Content Marketing sensibilisiert. Unabhängig davon, wie weit Sie in Ihrer Überzeugungsarbeit gekommen sind, sollten Sie regelmäßig den Kontakt mit ihrem Chef suchen und ihn über die weiteren Schritte und die aktuelle Entwicklung auf dem Laufenden halten.

Vergessen Sie nicht: Zu zweit ist man weniger allein! Im Optimalfall haben Sie bereits gute Optimierungsideen im Unternehmen gestreut und Kollegen anderer Abteilungen von Content Marketing überzeugen können. Bewegen Sie Ihre Kollegen dazu, Ihre Vorgesetzten ebenfalls für den Nutzen von Content Marketing zu sensibilisieren und dieses Thema gemeinsam mit Ihnen im Unternehmen voranzubringen.

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