Die besten E-Mail-Marketing-Tools im Test – Teil 1

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Wer Content Marketing ernsthaft betreiben möchte, kommt um die Nutzung eines professionellen E-Mail-Marketing-Tools nicht herum. Nur wenn die Leser sich in einen E-Mail-Verteiler eintragen und so regelmäßig mit passenden Informationen versorgt werden, können aus interessierten Bloglesern und Podcasthörern irgendwann treue Kunden werden.

Allerdings fällt die Auswahl der passenden Mailing-Software oft schwer: Zahlreiche Anbieter versprechen nahezu die gleichen Leistungen – wie soll da das richtige Tool für die eigenen Bedürfnisse gefunden werden? In unserer zweiteiligen Serie beschreiben wir die – für uns – vier besten E-Mail-Marketing-Tools: Mailchimp, Cleverreach, Getresponse und Activecampaign.

Die wichtigsten Kriterien bei der Auswahl eines E-Mail-Marketing-Tools

Im Laufe der letzten Monate haben wir vier verschiedene Tools  ausgiebig ausprobiert, um das beste zu ermitteln. Da unsere Kunden verschiedene Ansprüche an das E-Mail-Marketing haben, gab es unterschiedliche Faktoren, die eine Rolle spielten. Für uns waren dabei folgende Kriterien besonders wichtig:

E-Mail-Automation

Zwingend erforderlich ist für uns die Funktion, automatisierte E-Mail-Serien versenden zu können. Der Versand dieser E-Mails kann beispielsweise durch den Eintrag in eine Liste oder ein bestimmtes Verhalten ausgelöst werden. Für diesen Auslöser – Trigger genannt – sollte es möglichst viele Möglichkeiten geben, sodass je nach Nutzerverhalten individualisierte E-Mail-Serien verschickt werden können. Hier den Überblick über die Zusammenhänge und Abhängigkeiten zu behalten, ist häufig ein kleines Kunststück.

Newsletter-Versand

Zentrale Funktion jedes E-Mail-Tools ist der Versand einzelner E-Mails an eine große Gruppe von Empfängern. Dies wird beispielsweise bei klassischen Newslettern benutzt. Diese einmalig versendeten E-Mails werden vorbereitet und können zu einem bestimmten, vorher festgelegten, Zeitpunkt versendet werden. Wichtig ist, dass man die Empfänger nach unterschiedlichsten Kriterien segmentieren kann, um eine klar eingegrenzte Zielgruppe anschreiben zu können.

Listmanagement

In fast allen E-Mail-Marketing-Tools werden Kontakte in einzelnen Listen organisiert. Innerhalb dieser Listen können die einzelnen Subscriber oft durch Tags und Gruppen segmentiert werden, um beispielsweise unterschiedliche E-Mail-Strecken zu versenden. Nur wenige Tools bieten andere Lösungen als Listen an.

Individuelle Gestaltungsmöglichkeiten

Die meisten Tools bieten eine Auswahl vorgefertigter Templates zur freien Nutzung an. Fast immer entsprechen diese aber noch nicht den eigenen Vorstellungen. Daher war uns wichtig, ob auch eigene Designs erstellt und wie stark vorgegebene Templates noch angepasst werden können. Fast immer erwies es sich als pragmatischste Lösung, ein Template den eigenen Wünschen entsprechend zu verändern und dann als eigenes Template abzuspeichern. Die Anpassungsmöglichkeiten unterschieden sich diesbezüglich aber von Tool zu Tool sehr stark.

Benutzerfreundlichkeit

Ist das Tool einigermaßen intuitiv zu bedienen und die Benutzeroberfläche ansprechend gestaltet? Wie lange dauert es, sich mit den wichtigsten Funktionen vertraut zu machen und wie einfach sind Probleme zu lösen. Besonders in der Anfangsphase stellen sich immer wieder Fragen, die durch googlen und ausprobieren nicht zu lösen sind. In solchen Fällen ist ein schnell antwortender, kompetenter Support wichtig.

Preisstruktur

Da wir flexibel bleiben möchten, war der Kauf eines Systems keine Option. Stattdessen wollten wir ein E-Mail-System, dass zu einem monatlichen Betrag „gemietet“ werden kann. Der Vorteil dabei ist nicht nur, dass kein eigener Server betrieben werden muss, sondern auch, dass der Support meist sehr hilfsbereit bei allen Fragen zur Seite steht. Bei fast allen getesteten Systemen ist der Preis abhängig von der Anzahl der Kontakte. Je mehr Adressen es gibt, desto teurer wird die E-Mail-Marketing-Software. Eine kostenlose Version bietet meist Einschränkungen in der Funktionalität, beispielsweise keine E-Mail-Automation. Aber schon ab 10 US-Dollar monatlichen waren die meisten Systeme zu abonnieren.

Damit Sie den größtmöglichen Nutzen aus unserem Test ziehen können, haben wir jedes Tool nach den oben genannten Punkten bewertet, dabei gab es jeweils null (0) bis drei (+++) Punkte. Die für uns herausstechenden Vor- oder Nachteile haben wir gesondert aufgelistet.

Kleine Anmerkung: Selbstverständlich können wir in unserem Vergleich nur unsere eigenen Eindrücke schildern :). Wir haben bestimmte Anforderungen, um Content Marketing für unsere Kunden effektiv und effizient umzusetzen, auf dieser Grundlage haben wir die Mail-Systeme getestet und bewertet. Andere Nutzer finden von uns kritisierte Punkte vielleicht vollkommen unwichtig oder legen andere Schwerpunkte.

Unser Standard-Tool für E-Mail Marketing: Mailchimp

E-Mail-Marketing-Tools: MailchimpMailchimp ist das E-Mail-Tool, das wir schon am längsten benutzen, deshalb kennen wir uns damit am besten aus (und können entsprechend viel berichten). Es war immer unser Standard, mit dem wir nach wie vor sehr zufrieden sind. Trotzdem gab es einige Punkte (siehe unten), die verbessert werden könnten und die uns dazu veranlasst haben, andere Systeme zu testen.

Schauen wir uns zunächst alle Punkte an, die uns positiv auffallen oder allgemein unsere Arbeit einfacher gestalten.

  • Mailchimp bietet eine sehr gute und übersichtliche Benutzeroberfläche und ist einfach zu bedienen. Die Funktionen sind sinnvoll angeordnet, sodass die Bedienung sehr intuitiv erfolgt und auch neue Nutzer sich schnell zurechtfinden. Ein zentrales Dashboard zeigt die wichtigsten neuen Ereignisse, wie Auswertungen der letzten Kampagnen oder neue Subscriber an.
  • Der E-Mail-Editor ermöglicht die Bearbeitung aller E-Mail-Elemente. Man kann für die gesamte E-Mail geltende Design-Grundlagen (z.B. Linkfarbe) festlegen, die aber manuell jederzeit in einzelnen Elementen geändert werden können.

    E-Mail-Marketing-Tools: Mailchimp

    Der E-Mail-Editor in Mailchimp. Rechts stehen verschiedene Elemente zur Auswahl, die per Drag&Drop in der Mail positioniert werden können.

  • Über das Listmanagement können bestimmte Standard-E-Mails und Formulare erstellt werden. Dabei sind die Anpassungsmöglichkeiten leicht eingeschränkt: Verändert werden können beispielsweise die Farben des Hintergrundes oder des Buttons, man kann ein Header-Bild oder einen Text angeben und auch die Formulierungen einstellen. Der grundsätzliche Aufbau der vorgegebenen Layouts kann aber nicht verändert werden. Da die Standard-Layouts aber optisch sehr gut gemacht sind, besteht für uns hier auch keine Notwendigkeit nach großen Änderungen, sodass im Gegenteil diese Vorgaben eine große Arbeitserleichterung bei gleichzeitig bestem Ergebnis sind.
  • Alle Subscriber werden in Listen organisiert. Dabei wird jeder Kontakt automatisch von Mailchimp mit einer User-Bewertung versehen: Ein Sterne-Rating zeigt an, wie sich der Nutzer verhält, ob er viele E-Mails öffnet und auf Links klickt oder nicht. So kann man besonders aktive Kontakte direkt erkennen.

    E-Mail-Marketing-Tools: Mailchimp

    So sieht die Detailansicht eines Subscribers in Mailchimp aus.

  • Die Automation-Funktionen in Mailchimp sind durchaus umfangreich. Mailchimp bietet eine Vielzahl von Triggern an, die eine solche E-Mail-Reihe starten. Außerdem wird der Nutzer Schritt für Schritt durch die verschiedenen Punkte der Einrichtung geführt, sodass man keine wichtigen Einstellungen verpasst oder vergisst. Die Übersichtlichkeit der Serien ist ganz in Ordnung. Man sieht bei laufenden Automations nicht nur, wie die E-Mails gestartet werden und mit welchem Abstand sie versendet werden, sondern auch die Reports der einzelnen E-Mails. Außerdem sieht man, wie viele Subscriber gerade auf den Versand einer E-Mail warten, sprich, wo sich die Empfänger gerade im Ablauf befinden.

    E-Mail-Marketing-Tools: Mailchimp

    Die Übersicht einer laufenden Automation-Serie in Mailchimp.

  • Wir nutzen das Tool Leadpages zur Erstellung von Landingpages und Pop-Up-Boxen. Eine einfache Integration zwischen dem Mailsystem mit Leadpages ist daher von Vorteil. Im Fall von Mailchimp funktioniert das ganz einfach über eine API-Schnittstelle. Leadpages übernimmt dann sämtliche in Mailchimp eingestellten Formularfelder.
  • Mailchimp verfügt über sehr ausführliche und gute Reportings, sodass alle interessanten Statistiken jederzeit verfügbar sind.
  • Für Kampagnen (einmal versendete E-Mails) bietet Mailchimp ein umfangreiches A/B-Split-Testing an. Dabei können verschiedene Varianten mit einer vorher einzugrenzenden Zahl an Abonnenten getestet werden, um die am besten funktionierende Variante dann an die übrige Liste zu senden. All das muss nur einmal eingestellt werden und läuft dann automatisiert ab.
  • Das Pricing von Mailchimp ist angemessen, es richtet sich wie bei fast allen Tools nach der Menge der Kontakt-Adressen, ist aber vergleichsweise günstig. Im Detail können die verschiedenen Preiskonditionen auf der Mailchimp-Website nachgelesen werden.

Einige Features vermissen wir aber bei Mailchimp:

  • In einer E-Mail-Automation-Serie können bei Mailchimp keine „wenn-dann“-Funktionen eingebaut werden. Für jede einzelne E-Mail kann zwar eine segmentierte Empfängergruppe ausgewählt werden, diese Segmentierung gilt dann aber für den Rest der Strecke. Nutzer können also nicht einzelne Mails überspringen oder zwischendurch innerhalb einer Automation-Serie eine zusätzliche E-Mail bekommen. Diese Funktion wäre beispielsweise beim Anschreiben von einzelnen Personen, die in einer vorherigen E-Mail nicht auf einen Link geklickt haben, sinnvoll. Generell sind komplexere Automation-Einstellungen nicht möglich und nur über die Nutzung mehrerer einzelner E-Mail-Reihen möglich.
  • Wir haben bei einigen sehr aufwendig gestalteten E-Mails festgestellt, dass das Design sich je nach Mailsystem des Empfängers ändern kann. So erschienen beispielsweise ursprünglich in einer Linie angeordnete Elemente versetzt.
  • Umständlich ist im Editor, dass man ein Bearbeitungsfenster hat, in dem der Text eingestellt und formatiert wird. Links davon erscheint dann immer eine Live-Vorschau. Diese unterscheidet sich aber oft noch von der wirklichen Vorschau, die über den Reiter „Preview“ erreicht wird.
  • Ein Nachteil aller amerikanischen Systeme: Man muss in allen voreingestellten, nach außen sichtbaren Elementen, die Übersetzung prüfen, da sie doch oft sehr schlecht ist. (z.B.: „Fahren Sie auf unserer Website“)

Unser Fazit zu Mailchimp:

Mailchimp ist ein sehr ausgereiftes Tool, das nicht umsonst zu den Marktführern gehört. Größere Mängel konnten wir nicht feststellen, unsere Kritik bezieht sich eher auf kleinere „Nice-to-have“-Features. Alles in allem sind wir mit Mailchimp sehr zufrieden.

Automationfunktionen: ++
Newsletter: +++
Listmanagement: +++
Individuelle Gestaltungsmöglichkeiten: ++
Benutzerfreundlichkeit: +++
Preis: +++

Die Alternative für E-Mail-Automation: Activecampaign

ActivecampaignE-Mail-Marketing-Tools: activecampaign haben wir ausprobiert, da dieses Tool im Vergleich zu Mailchimp umfangreichere Automation-Möglichkeiten bieten soll. Gerade im Hinblick auf die Gestaltung der Sales-Funnel sind stärkere Segmentierungsmöglichkeiten und der Einsatz von „wenn/dann“-Funktionen praktisch.

Zunächst also auch hier die positiven Features:

  • Activecampaign bietet sehr individuelle Anpassungsmöglichkeiten in den einzelnen E-Mails. Ein Editor ermöglicht nicht nur den Einsatz der Standard-E-Mail-Bausteine wie Bilder und Text, sondern auch die pixelgenaue Einstellung von Höhen und Breiten der Elemente oder Abständen. Manchmal werden diese Möglichkeiten aber auch zum Fluch: Schnell verstrickt man sich in Überlegungen dazu, ob das Padding nun 5, 10 oder 15 Pixel breit sein soll.
  • Größter Vorteil an Activecampaign sind die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten der E-Mail-Automation: Man kann für die einzelnen E-Mails unterschiedliche Bedingungen und Aktionen einstellen. Beispielsweise kann gewählt werden, ob ein User an einer bestimmten Stelle der Serie durch ein Tag gekennzeichnet wird, ob eine weitere Person (z.B. der Absender) eine Benachrichtigung erhalten soll und vieles mehr. Man kann entscheiden, ob jemand, der nicht auf einen Link geklickt hat, eine zweite Erinnerung bekommt, bevor es mit den anderen E-Mails weitergeht. In den Help-Ressourcen von Activecampaign werden zahlreiche Tutorial-Videos angeboten, die einen guten Einblick in die Möglichkeiten der Autoresponder geben.
  • Die Abfolge einzelner E-Mails wird außerdem grafisch dargestellt, sodass man sehr gut die Abhängigkeiten einstellen und jederzeit nachvollziehen kann. Diese Übersichtlichkeit konnten wir bei keinem anderen Tool so finden.
  • Die Preise von Activecampaign entsprechen denen der anderen Systeme.

Leider mussten wir auch einige Nachteile feststellen:

  • Während unserer Testphase haben wir ungewöhnlich viele technische Bugs gefunden. Dazu gehörten beispielsweise Buttons, die je nach Mailsystem des Empfängers gar nicht oder mit einem falschen Link dahinter angezeigt wurden und Grafiken, die plötzlich verzerrt und mit andersfarbigen Rahmen dargestellt wurden. Der Support reagierte immer äußerst freundlich und bemühte sich, diese Probleme zu beheben. Trotzdem ist es mühsam, ständig mit solchen Fehlern konfrontiert zu werden.
  • Beim Erstellen von Autorespondern ist es nicht möglich, eine einzelne E-Mail als Template abzuspeichern. Stattdessen muss zuerst eine Kampagne oder ein reines Template angelegt werden, das dann in der E-Mail des Autoresponders genutzt werden kann.
  • Die Opt-In-Confirmation-E-Mail konnte nur sehr umständlich individualisiert werden, während die vorgegebene Version nicht besonders schön aussah. Der Footer in dieser E-Mail kann leider gar nicht verändert werden. Da diese E-Mail oft die erste ist, die ein Abonnent erhält und im Zweifel noch einmal entscheidet, ob er sich wirklich einträgt, ist dieser Mangel für uns gravierend.
  • Die Möglichkeit, einzelne E-Mails einer Automation zu pausieren, fehlt komplett. Ein großer Nachteil, da wir diese Option in der praktischen Arbeit oft nutzen.
  • Zudem kann man nicht sehen, ob und wo sich in der Automation gerade wie viele Subscriber befinden. Auch fehlte ein „auf einen Blick“-Reporting.
  • Generell finden wir die Bedienung von Activecampaign alles andere als intuitiv, viele Einstellungsmöglichkeiten konnten wir erst nach längerem Ausprobieren und Googlen finden. Mit der ersten Erstellung eines mehrteiligen Autoresponders waren wir tatsächlich mehrere Tage beschäftigt – vom ersten Template-Design bis zur fertigen Serie waren doch viele kleinere und größere Schwierigkeiten zu bewältigen.

Unser Fazit zu Activecampaign lautet daher:

Ein Tool für E-Mail-Marketing, das vor allem bei der Automation und dem Design seine Stärken hat. Das nützt aber alles nichts, wenn grundlegende Funktionen (Opt-In) nicht fehlerfrei funktionieren. Sobald diese technischen Probleme ausgeräumt sind, ist das Tool aber sicher eine sehr gute Entscheidung für alle, die komplexe Autoresponder, beispielsweise für Sales-Funnel, bauen wollen.

Automationfunktionen: ++
Newsletter: ++
Listmanagement: +
Individuelle Gestaltungsmöglichkeiten: ++
Benutzerfreundlichkeit: +
Preis: ++

Zwischenstand: Die besten Tools für E-Mail-Marketing

Mailchimp und Activecampaign sind zwei E-Mail-Marketing-Tools, die sehr unterschiedlich sind. Bei Mailchimp liegt der Fokus auf einer einfachen Bedienung, verknüpft mit ganz ordentlichen Funktionen. Activecampaign bietet zwar umfangreichere Funktionen, ist aber auch komplizierter zu bedienen.

Lesen Sie jetzt in Teil 2 unserer Miniserie zu E-Mail-Marketing-Tools, wie Cleverreach und Getresponse abgeschnitten haben.

Bis dahin: Was sind Ihre Erfahrungen? Welche Tools für das E-Mail-Marketing nutzen Sie?

 

Bildquelle Titelbild: © Fotolia 2016/ arrow

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